parldigi direkt dezember

Themen: Allgemein, Datenschutz, Digitale Nachhaltigkeit, Gesundheit, Kolumne, Presse


Parldigi direkt: Digitalisierung braucht Mut und Gestaltungswillen

 

Das Jahresende ist ein guter Moment, um Mut zu schöpfen für 2023 und sich mutige Ziele zu setzen – in der Politik, in der Verwaltung und in der Gesellschaft.

 

Die Schaffung der E-ID im Rahmen des Bundesgesetzes für eine elektronische Identität (BGEID) ist beispielhaft. Das BGEID-Team des Bundesamtes für Justiz gilt es für den kollaborativen und integrativen Prozess zu loben. Sie haben aus Sicht des E-Governments vorbildlich „vorangemacht“ – konkret, indem sie das Gespräch mit Stakeholdern und der Bevölkerung im Rahmen der Digitaltage gesucht haben. Es braucht Mut, direkt die Ängste und Sorgen der Bevölkerung offen anzunehmen. Die Verwaltungen im ganzen Land können solchen Beispielen folgen.

Etwas weniger erfreulich ist die Entwicklung bei der Cybersecurity. Prominente Datenleck-Skandale wie meineimpfungen.ch, das Ende des Organspenderegisters, oder Kontroversen um laufende Beschaffungen (Stichwort Public Cloud) zeigen auf, dass viel Arbeit vor dem neu geschaffenen Bundesamt liegt, welches im VBS bei Bundesrätin Amherd organisiert wird.

Uns scheint zentral, dass das neue Amt vor allem daran arbeitet, mangelndes Verständnis und den unzureichenden Willen zu thematisieren, sich die notwendigen Fähigkeiten und Kenntnisse anzueignen, um die Bedrohungen durch Cyberkriminalität effektiv anzugehen.

Einheitliche Schnittstellen beim Bund sind zwingend

Ein weiteres Lowlight ist die Diskussion um den Einsatz elektronischer Mittel zur Erfüllung von Behördenaufgaben (EMBAG). Die Debatte im Parlament zeigt, dass die Mehrheit unserer Volks- und Ständevertreter noch in alten Denkmustern verhaftet ist. Die ewigen Diskussionen und Abwägungen um die Hoheits- und Entscheidungsbefindlichkeiten zwischen Ständen und Bund sind Zeichen einer übergrossen Sorge. Wird eine medienbruchfreie Verwaltung gewünscht, müssen wir über einheitliche Schnittstellen und Standardisierung sprechen. Dass Diskussionen um die Schaffung eines durchgängigen Digitalen Service Publics und dessen Voraussetzungen nicht von oben herab, sondern kollaborativ und inklusiv geführt werden müssen, um alle Stakeholder ins Boot zu holen, ist klar.

Positives gibt es im Bereich Digital Health zu vermelden und dies ist vor einem Wahljahr besonders erfreulich. Eine kürzlich veröffentlichte Studie von Digitalswitzerland mit dem Titel „Das digitale Gesundheitssystem aus der Sicht der Bevölkerung“ (auf Englisch) zeigt, dass die Schweizer Öffentlichkeit bereit ist, ein digitales Gesundheitssystem zu nutzen, wenn es einen klaren Mehrwert schafft – etwa eine höhere Benutzerfreundlichkeit, bessere Diagnostik und Behandlungsmöglichkeiten sowie tiefere Gesundheitskosten. Voraussetzung dafür ist allerdings, dass die Bevölkerung über die nötigen Kompetenzen verfügt und genügend Vertrauen in die Gesundheitsbranche hat. Verschiedene Vorstösse im Parlament lassen diesen Trend erkennbar werden, so zum Beispiel das Postulat „Potenzial von Digitalisierung und Datenmanagement im Gesundheitswesen nutzen. Die Schweiz braucht eine übergeordnete Digitalisierungsstrategie„, welches im Einklang steht mit den Resultaten der Studie.

Neue KV-Lehre ist das Highlight des Jahres

Vom neu zusammengesetzten Bundesrat wird Gestaltungs- und Umsetzungswille in digitalen Themen gefordert. Der gleiche Appell richtet sich auch an die Kandidatinnen und Kandidaten der nationalen Wahlen 2023: Wir wünschen uns, dass Parteien ihre Parteiprogramme auch digital durchdenken. Mit Smartvote haben die Aspirantinnen und Aspiranten fürs Parlament die Möglichkeit, ihre Ansichten und Überzeugungen zu digitalen Sachthemen öffentlich zu machen. Ein Team bestehend aus Personen der Berner Fachhochschule und Smartvote wird auf dem Portal einen Fragenkatalog zur Digitalisierung aufschalten.

Mein persönliches Highlight ist die Lancierung der KV-Lehre „Digital Business“. Sie ist ein Meilenstein mit Vorbildcharakter für andere Berufe: Dank dieser Ausbildung gelingt es, Sachkenntnisse und Qualifikationen zu erlangen, um sich im Digitalland Schweiz für die Zukunft bereitzumachen. Mit dieser positiven Story endet für mich das 2022 und ich wünsche allen Leserinnen und Lesern schöne Festtage und ein erfolgreiches Digitaljahr 2023.

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